Das perfekte Praktikumszeugnis

Praktikumszeugnis: Formulierung, Tipps und Geheimcodes!

Egal, wie lange ein Praktikum gedauert hat, wenn es vorbei ist, haben Sie einen Anspruch auf ein Praktikumszeugnis, auch Praktikumsbeurteilung genannt. Diese vom Unternehmen ausgestellte Bescheinigung weist nach, in welchem Umfang Sie gearbeitet und welche Tätigkeiten  Sie dabei ausgeübt haben. Eine vollständige Praktikumsbeurteilung bewertet außerdem die von Ihnen geleistete Arbeit und Ihr persönliches Verhalten. Es ist für künftige Bewerbungen ein nützlicher und wichtiger Nachweis Ihrer beruflichen Erfahrungen.

Außer der recht umfangreichen Praktikumsbeurteilung gibt es nach Praktika auch eine einfache Bescheinigung, die lediglich die Art und Dauer der Beschäftigung beschreibt. Diese wird etwa dann benötigt, wenn die Universität oder Schule einen Nachweis über die Absolvierung eines Pflicht- oder Schülerpraktikums verlangen, das im Rahmen der Ausbildung vorgeschrieben ist.

 

Nicht erlaubt: Das Arbeitszeugnis in elektronischer Form

Der Gesetzgeber legt fest, wie eine Praktikumsbeurteilung formal aussehen muss. So bestimmt etwa die Gewerbeordnung, dass diese Bescheinigung verständlich und klar formuliert werden muss und über den Arbeitnehmer keine versteckten Aussagen treffen darf. Sie schließt zudem die Zeugniserteilung in elektronischer Form aus. Ein Arbeitszeugnis für ein Praktikum muss also immer gedruckt sein und zwar im Idealfall auf Firmenpapier.

 

Die Praktikumszeugnis Formulierung: Was unbedingt drinnen stehen sollte

Eine Praktikumsbeurteilung muss folgende Angaben enthalten:

  1. Überschrift
  2. Datum des Zeitpunkts der Ausstellung
  3. Name und Geburtsdaten 
  4. Angabe des Praktikumszeitraums
  5. Beschreibung des Tätigkeitsbereichs

Achten Sie bei den Formulierungen im Praktikumszeugnis darauf, dass hier nur wirklich qualifizierte Tätigkeiten des Praktikums und keine kleinen Hilfsarbeiten wie das berühmte Beispiel „Kaffee kochen“ gelistet werden! In der  Beschreibung werden Projekte, an denen Sie mitgearbeitet haben aufgezählt. Hier werden auch das Tagesgeschäft und Routineaufgaben beschrieben. Ob man dafür Fließtext oder Bullet Points verwendet werden, spielt keine Rolle. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass die Sätze auch bei Bullet Points gut ausformuliert sind.

 

  1. Bewertung der Leistungen und der Kompetenz

Dies ist der wichtigste Teil der Praktikumsbeurteilung und mit der Benotung in der Schule vergleichbar. Hier sollen nicht nur Ihre Leistungen ganz allgemein bewertet werden, sondern auch fachliche Qualifikationen einfließen; ebenso Soft Skills wie beispielsweise die Auffassungsgabe oder das soziale Verhalten gegenüber den Kollegen. Falls Sie nach Ihrem Praktikum in der Firma übernommen werden, sollte dies ebenfalls im Zeugnis Erwähnung finden, um bei späteren Bewerbungen einen besonders guten Eindruck zu machen.

 

  1. Schlussformel

Hier bedankt sich der Arbeitgeber für die von Ihnen geleistete Arbeit. In dieser Schlussformel stehen meist auch noch gute Wünsche für die Zukunft und den weiteren beruflichen Werdegang sowie für den persönlichen Lebensweg. Fehlen dieser Dank und die guten Wünsche, kann das ein eindeutiger Hinweis darauf sein, dass die Firma Sie nicht vermissen wird. In Zeugnissen außerhalb des Kontextes eines Praktikums kann zudem darauf hingewiesen werden, ob der Mitarbeiter auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist, ob er entlassen wurde, oder ob es einen Aufhebungsvertrag gab. Im Fall eines Praktikums entfällt das meist, da hier schon im Vorfeld ein klares Anfangs- und Enddatum feststehen.

 

Und zu guter Letzt:

  1. Datum und Unterschrift des Praktikumsgebers

 

Es gibt einen Rechtsanspruch auf ein Praktikumszeugnis

Als Praktikant hat man ein Recht darauf, nach Abschluss des Praktikums zumindest ein einfaches Zeugnis vom Arbeitgeber zu erhalten. Meist ist es für die Praktikumsgeber ohnehin eine Selbstverständlichkeit, eine Beurteilung und einen Nachweis für die geleistete Arbeit auszustellen. Falls sich ein Arbeitgeber jedoch dagegen sträuben sollte, kann man mit einem Rechtsanspruch argumentieren: Laut Paragraph § 109 der Gewerbeordnung haben Arbeitnehmer Anspruch auf ein Zeugnis in schriftlicher Form bei Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses. Da man auch als Praktikant als Arbeitnehmer zählt, hat man daher nach Abschluss des Praktikums einen rechtlichen Anspruch auf die Ausstellung eines Zeugnisses. Wird es nicht automatisch ausgehändigt, kann man es auch schriftlich einfordern.

 

Was die Praktikumsbeurteilung verrät

Eine Praktikumsbeurteilung geht immer über das reine Auflisten von Tätigkeiten hinaus und gibt tiefere Einblicke in die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Praktikanten. Daher ist es wichtig, dass der Arbeitgeber neben fachlichen auch persönliche Kompetenzen einschätzt. Dazu zählen etwa das Fachwissen und zwar nicht nur in theoretischer, sondern auch in praktischer Hinsicht, die Arbeitsweise, die Arbeitseffizienz und die Auffassungsgabe. Wichtig sind aber auch die Teamfähigkeit und das Sozialverhalten, die Belastbarkeit und Zuverlässigkeit, die Flexibilität, dein Engagement und deine Fähigkeit, selbständig zu arbeiten.

 

Keinesfalls fehlen in der Beurteilung sollten fachspezifische Fähigkeiten. Wer in der Informatik ein Praktikum macht, braucht eine Bewertung, wie gut er die verschiedenen Programme und Programmiersprachen kennt. Wer im Vertrieb Erfahrungen sammelt, für den ist die fachspezifische Fähigkeit im Umgang mit Kunden wichtig.

 

Versteckte Hinweise: Die Geheimsprache eines Arbeitszeugnisses

Die Praktikumszeugnis Formulierungen enthalten in der Regel eine Art Geheimsprache. Das Zeugnis beinhaltet also oft mehr Informationen, als es auf den ersten Blick scheint. Mit diesem Geheimcode will der Arbeitgeber klar negative Aussagen vermeiden und doch gleichzeitig dafür sorgen, dass die Bewertung aussagekräftig ist.

Für diese Geheimsprache hat sich eine gängige Skala etabliert: „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist sozusagen die Bestnote 1, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“, entspricht der Note 2 (gut), „zu unserer vollen Zufriedenheit“ entspricht einer Drei, „stets zu unserer Zufriedenheit“ einem Ausreichend (4), „zu unserer Zufriedenheit“ drückt eine mangelhafte Leistung (Note 5) aus. „Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ ist die schlechteste Note und entspricht einem Ungenügend (Note 6).

Eine gute Praktikumsbeurteilung zeigt sich auch daran, dass diese keine passivischen Formulierungen wie etwa „wurde betraut“ enthält. Viel positiver behaftet sind aktive Formulierungen wie etwa „sie übernahm“ oder „er leistete“. Diese unterstreichen Ihr Engagement und Ihre Eigenständigkeit.

Eine Praktikumsbeurteilung soll Ihnen immer weiterhelfen, indem sie positiv und wohlwollend formuliert ist. Andernfalls könnte Ihnen die Bescheinigung im weiteren Verlauf deines Berufslebens schaden. Auch wenn das im Rahmen eines Praktikums vielleicht noch nicht so wichtig ist, kann es bei späteren Karrierechancen oft bedeutsam werden. Ihr Chef sollte Ihnen also keinesfalls Steine in den Weg legen, nur weil er etwa über das Zeugnis verhindern möchte, dass Sie ein Konkurrenzunternehmen engagiert und Sie womöglich Informationen dorthin mitnimmst.

 

Prüfen Sie Ihr Zeugnis genau!

Es lohnt sich also, das Arbeitszeugnis für Ihr Praktikum ganz genau zu prüfen und zwar nicht nur in Hinblick auf Ihre Bewertung. Es ist auch wichtig, dass alle Daten korrekt sind. Tritt ein Fehler auf – etwa bei einem falsch angegebenen Geburtsdatum – sollte man unbedingt um eine Korrektur bitten.

Nicht nur Fehler, sondern auch Persönliches und private Informationen haben in einer Bewertung nichts verloren. Dazu zählen etwa Angaben über den Gesundheitszustand, die Parteizugehörigkeit oder die Religion. Auch die Mitgliedschaft bei einer Gewerkschaft oder in einem Betriebsrat dürfen nicht erwähnt werden. Das gilt auch für die Teilnahme an Streiks. Ebenso tabu ist die Angabe von Straftaten, die ohne Relevanz für die eigene Stelle sind.

Leider nutzen manche Personalverantwortliche geheime Codes, um negative Informationen in der Bewertung unterzubringen. So kann etwa der Hinweis, man habe das Betriebsklima durch seine Geselligkeit verbessert, ein versteckter Hinweis auf Trunksucht sein. Besonderes Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft“ kann ausdrücken, dass man den sexuellen Kontakt mit Kollegen gesucht hat. Wer ausdrücken möchte, dass ein Praktikant gerne und lange privat plauderte kann das etwa so formulieren: „Herr X war auch außerhalb seines Fachgebiets ein sehr gefragter Gesprächspartner“. Nörgler können mit dem Hinweis, der zu Bewertende sei ein sehr kritischer und anspruchsvoller Gesprächspartner, geoutet werden. Wer seine Aufgaben „im eigenen und im Firmeninteresse“ gelöst hat, wird gar codiert des Diebstahls von Firmeneigentum beschuldigt. Mangelnde Eigeninitiative kann etwa durch die Formulierung „Frau X erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets ordnungsgemäß“ ausgedrückt werden.

Besondere Vorsicht ist dann angesagt, wenn in der Bewertung steht, man scheide in beiderseitigem Einvernehmen aus der Firma aus (oder „Wir trennen uns einvernehmlich“). Das zeigt dem Leser des Arbeitszeugnisses ganz klar, dass Frau X gekündigt wurde. Der Aufhebungsvertrag ist nur dann gemeint, wenn das Zeugnis den Zusatz „im besten beiderseitigem Einvernehmen“ enthält.

Schon das Weglassen eines einzigen Wortes kann viel Negatives ausdrücken. Steht in der Schlussformel etwa „Wir wünschen Herrn X alles Gute und Erfolg.“ Ist das nicht gerade ein Ruhmesblatt. Hätte Herr X im Unternehmen tatsächlich Erfolg gehabt, müsste hier die Formulierung „weiterhin viel Erfolg“ stehen.

 

Ein Praktikumszeugnis selbst schreiben – die wichtigsten Tipps

Mitunter verlangen Arbeitgeber von ihren Praktikanten einige Stichworte für die Abfassung eines Arbeitszeugnisses. Dass man als Praktikant sein Abschlusszeugnis zur Gänze selbst erstellt, kommt allerdings nur selten vor. Falls das doch einmal verlangt wird, können Sie sich an der folgenden Checkliste orientieren, um die Bewertung in Eigenregie zu erstellen.

 

  • Haben Sie keine Scheu davor, sich selbst so positiv wie möglich zu bewerten! Eigenlob ist in diesem Fall erlaubt, da das Zeugnis so etwas wie eine Werbung für Ihre Fähigkeiten und Leistungen ist.

 

  • Notieren Sie sich im Vorfeld Stichpunkte! Fassen Sie zusammen, was Sie im Verlauf Ihres Praktikums gemacht und welche Aufgaben Sie übernommen haben!

 

  • Überlegen und notieren Sie sich positive persönliche Eigenschaften, die Sie wichtig finden und erwähnen Sie diese!

 

  • Sehen Sie sich Vorlagen an! Fragen Sie Ihren Vorgesetzten einfach nach anonymisierten Arbeitszeugnissen ehemaliger Praktikanten! So haben Sie ein Muster für die Unternehmensbeschreibung oder die Beschreibungen der Ihnen übertragenen Aufgaben.

 

  • Halten Sie sich bei der Bewertung unbedingt an die bereits erwähnten Codes! Diese mögen zwar hochgestochen klingen, sind aber klare, eindeutige Noten.

 

  • Bleiben Sie immer möglichst authentisch und denken Sie auch darüber nach, in welchen Bereichen und Eigenschaften Sie sich noch verbessern könnten!

 

  • Vermeiden Sie Rechtschreibfehler und lassen Sie die von Ihnen verfasste Beurteilung noch einmal von jemanden Korrektur lesen! Das verhilft Ihnen auch zu einer ehrlichen Einschätzung Ihrer Formulierungen.

 

Was tun, wenn Sie mit Ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind?

Eine Praktikumsbeurteilung belegt Ihre Leistungen, Kompetenzen und Erfahrung. Es ist eine wertvolle Unterstützung für weitere Bewerbungen. Vielleicht haben Sie beim genaueren Blick auf Ihr Zeugnis gemerkt, dass es teilweise schlechte Bewertungen enthält. Gerade bei einem längeren Praktikum sollte man in diesem Fall unbedingt nachfragen, wenn man die Einschätzung des Vorgesetzten als ungerecht empfindet.

Suchen Sie daher zuerst das Gespräch mit demjenigen, der Sie bewertet und das Zeugnis unterschrieben hat. Falls Sie bei diesem Ansprechpartner auf taube Ohren stoßen, können Sie sich an die Personalabteilung wenden. Wichtig ist, dass Sie nicht ganz allgemein ein zu schlechtes Zeugnis bemängeln, sondern gezielt jene Stellen angeben, bei denen Ihnen Änderungen wichtig sind. Bevor Sie mit den Verantwortlichen sprechen, sollten Sie sich Argumente überlegen, die Ihre guten Leistungen untermauern. Falls das Unternehmen die Praktikumsbeurteilung nicht korrigieren will, können Sie auch den Rechtsweg beschreiten und das Arbeitsgericht einschalten.