Arbeitszeugnis – Worauf Sie achten sollten

Arbeitszeugnis Beitragsbild jobmaxx

Jeder Arbeitnehmer hat, bei einer Kündigung, einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Der Anspruch auf Erteilung entsteht bei der Beendigung des Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses. In der Zeit zwischen der Kündigung und dem Ablauf der Kündigungsfrist hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein vorläufiges Zeugnis. Dieses ist jedoch kein Ersatz für das abschließende Zeugnis. Es besteht kein Rechtsanspruch darauf, dass Formulierungen aus dem Vorläufigen in das Abschließende übernommen werden. Der Anspruch auf Ausstellung eines Zeugnisses besteht für die Dauer von drei Jahren. Jede Kündigung, egal ob von seiten des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers, zieht einen Rechtsanspruch auf ein Zeugnis nach. Es ist jedoch notwendig, ein solches zu verlangen. Der Arbeitnehmer muss das Zeugnis abholen. Ein Anspruch auf Zusendung besteht nicht.

 

Wie muss ein Arbeitszeugnis gegliedert sein?

Die Bewertung der Leistung eines Arbeitnehmers muss den gesetzlichen formalen Anforderungen entsprechen. Arbeitnehmer haben darauf ein Anrecht und dürfen die Einhaltung dieser Formalien auch einfordern. Das Zeugnis muss schriftlich vorliegen, muss maschinell erstellt und auf Firmenpapier gedruckt sein. Die Bewertung muss stets individuell sein.

Personalverantwortliche in Unternehmen orientieren sich an diesem Aufbau. Schon das Vertauschen einzelner Bereiche kann als unterschwellige Kritik gewertet werden. Steht zum Beispiel das Sozialverhalten vor der Leistungsbeurteilung, kann das der Hinweis darauf sein, dass das Sozialverhalten zwar einwandfrei aber die Leistung zu wünschen ließ.

 

Folgende Gliederung hat sich eingebürgert:

  • Der Briefkopf muss alle Daten zum Arbeitgeber enthalten, also Firmenname, Anschrift und die Kontaktdaten.- Als Überschrift oder Titel muss das Wort „Zeugnis“ stehen.- Der erste Satz im Zeugnis muss den vollständigen Namen des Arbeitnehmers, sein Geburtsdatum und –ort, sowie die Dauer der Beschäftigung enthalten.- Der nächste Satz enthält die vollständige Beschreibung der Tätigkeit. Hier müssen nicht nur die Haupttätigkeiten aufgeführt werden. Auch die Nebentätigkeiten sind relevant. Der künftige Arbeitgeber muss sich ein umfassendes Bild von den geleisteten Tätigkeiten machen können.
  • Jetzt erfolgt die Beurteilung der Leistung. Dieser Teil ist der Hauptbestandteil des Zeugnisses, auf dem das besondere Augenmerk des Personalverantwortlichen bei einem potenziellen neuen Arbeitgeber liegt. In diesem Teil wird eingeschätzt, wie die Motivation und Bereitschaft zur Arbeit war. Auch werden die Fähigkeiten beurteilt und spezielle Fachkenntnisse erwähnt. Bei Führungskräften wird das Verhalten gegenüber den untergebenen Mitarbeitern beurteilt. Am Ende steht eine zusammenfassende Leistungsbeurteilung, die auf keinen Fall fehlen darf.
  • Anschließend wird das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden beurteilt. Hier gehören nur die Sachverhalte hinein, die für die Beurteilung des Verhaltens und der Leistung charakteristisch sind. Sollte es in Ausnahmefällen Auffälligkeiten oder ein Fehlverhalten gegeben haben, kann trotzdem auf die Bescheinigung eines „einwandfreien“ Verhaltens bestanden werden. War das Verhalten jedoch stets einwandfrei, muss sich das im Text widerspiegeln. Dafür werden Beiwörter wie „stets“, „immer“, „durchweg“ oder „ausnahmslos“ verwendet.
  • Beim abschließenden Zeugnis folgt nun der Grund des Ausscheidens aus dem Unternehmen. Das Zwischenzeugnis jedoch weist an dieser Stelle den Grund aus, warum ein Zwischenzeugnis erstellt wurde.
  • Am Ende wird sich der Arbeitgeber für die geleistete Arbeit bedanken, sein Bedauern aussprechen und alles Gute für die berufliche Zukunft wünschen.
  • Unter dem Zeugnistext steht der Ausstellungsort und das Datum, das Unternehmen und eine Unterschrift des zuständigen Ausstellers. Das Ausstellungsdatum muss der letzte Tag des Arbeitsverhältnisses sein. Ein früheres oder späteres Ausstellungsdatum kann ein Hinweis auf Probleme sein. Aus der Unterschrift des Unterzeichnenden muss eindeutig hervorgehen, dass er im Rang höher als der Arbeitnehmer ist. Bei Insolvenzen und im Todesfall, ist der Insolvenzverwalter bzw. die Erben zum Ausstellen eines Zeugnisses verpflichtet.

In jedem Fall ist der Arbeitgeber jedoch zur Zeugniswahrheit und Zeugnisklarheit verpflichtet. Die Auswahl der Wörter darf nicht dazu führen, dass bei einem zukünftigen Arbeitgeber falsche Vorstellungen über die Leistungen und das Sozialverhalten seines neuen Mitarbeiters entstehen. Er muss sich also der allgemein üblichen Zeugnissprache bedienen. Vermutungen, Spekulationen und eigene Interpretationen sind zu unterlassen. Entspricht das Zeugnis nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, besteht ein Anspruch auf Änderung. Weigert sich der Arbeitgeber die gewünschte Änderung durchzuführen, besteht, innerhalb von drei Wochen nach Erhalt des Zeugnisses, die Möglichkeit einer Zeugnisberichtigungsklage.

 

Was gehört nicht in ein Arbeitszeugnis?

In einem Zeugnis dürfen eine Gewerkschaftsmitgliedschaft, die Zugehörigkeit zum Betriebsrat, die religiöse Konfession, das Gehalt, die Zugehörigkeit zu einer Partei, private Angaben über die Familie, Freizeitaktivitäten oder sexuelle Vorlieben, Straftaten, bestehende oder vergangene Krankheiten und eventuelle Suchtproblematiken keine Erwähnung finden.

 

Nach welchem Notensystem erfolgt die Beurteilung?

  • Die Note 1 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“.
  • Die Note 1-2 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„stets zu unserer vollen Zufriedenheit“.
  • Die Note 2 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„zu unserer vollsten Zufriedenheit“.
  • Die Note 3 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„zu unserer vollen Zufriedenheit“.
  • Die Note 4 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„zu unserer Zufriedenheit“.
  • Die Note 4-5 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“.
  • Die Note 5 wird vergeben mit folgendem Wortlaut:„hat sich bemüht, die übertragenden Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen“.

 

Das Zeugnis spielt eine große Rolle bei einer Bewerbung. Es liefert Unternehmen wichtige Informationen über den Bewerbungskandidaten. Streitigkeiten über Angaben im Zeugnis führen zu jährlich etwa 30.000 Gerichtsverfahren. Jedes Zeugnis muss daher individuell ausgestellt sein, der Wahrheit entsprechen und klare Formulierungen enthalten, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.